Acht fragen an ANDREA IMLER

DAS WICHTIGE IN WORTE FASSEN

Andrea Imler wurde 1989 in den Tiroler Bergen geboren und lebt - nach zehn Jahren in Großstädten - wieder in der Festungsstadt Kufstein. Ein Gespräch mit der jungen Selbstständigen 
über ihre neu gewonnene Freiheit, die Arbeit am Text und die Liebe zur Kunst.

Andrea Imler - Werbetexterin und Autorin

1. Du Hast am Theater gearbeitet. Warum bist du weggegangen?

Ich habe festgestellt, dass ich die Vorstellung am Theater zu sein mehr liebe, als tatsächlich am Theater zu arbeiten. Als Regieassistentin am Schauspiel Köln und später als Regisseurin und Kuratorin der Außenspielstätte am Offenbachplatz, war ich durchgehend im Einsatz - ohne Zeit für die Dinge, die mir wirklich wichtig sind. Trotz meiner großen Liebe für das Theater und die Kunst kam daher der Wunsch mich beruflich zu verändern und mein Schreiben zu professionalisieren.


2. Wieso hast du entschieden eine eigene Firma zu gründen?

Ich habe nach einer Möglichkeit gesucht mit meinem Talent Geld zu verdienen. Gleichzeitig wollte ich zeitlich flexibel bleiben, um weiterhin künstlerisch arbeiten zu können. Das Schreiben von Gebrauchstexten fällt mir leicht. Roland Barthes unterscheidet den Text der Lust, der aus der Kultur kommt, ohne mit ihr zu brechen und den Text der Wollust, der den Leser in seinen kulturellen und psychologischen Grundlagen erschüttert. Ich übe mich in beiden Disziplinen 
und schreibe sowohl Werbe- als auch Theatertexte.

3. Unterscheiden sich das künstlerische und das journalistische Schreiben sehr?

In beiden Formen muss man spezifischen Notwendigkeiten gerecht werden. Natürlich hat man beim literarischen Schreiben mehr sprachliche und formale Freiheit, dafür muss man den Theaterbetrieb mitdenken. Gleichzeitig wird im Bereich Marketing das Story-Telling immer wichtiger. Der Text soll nicht mehr nur Information vermitteln, sondern ein Lebensgefühl.


4. Was macht eine gute Geschichte in deinen Augen aus?

Sie muss authentisch sein und zum jeweiligen Kunden oder Produkt passen. Sie braucht eine klar formulierte Botschaft, eine nachvollziehbare Handlung - im Sinne einer eindeutigen Erzählstruktur - und einen emotionalen Höhepunkt. Das „Geschichten erzählen“ ist etwas, das ich am Theater gelernt habe und als Werbetexterin weiter führen kann.

5. WAS BEEINFLUSST DEIN SCHREIBEN? WAS INSPIRIERT DICH?

Ich bin sehr vielseitig interessiert und gehe mit offenen Augen durch die Welt. Mein Faible für Kunst, Philosophie und Dramatik verschafft mir einen breiten Horizont, der viele Anknüpfungspunkte bietet. Ich bewundere Menschen, die es schaffen ihr Leben so einzurichten, dass sie glücklich sind und die Welt mit ihrem Sein ein klein wenig besser machen. Die Briefe von Sol LeWitt an Eva Hesse finde ich sehr motivierend: „Just stop thinking, worrying, looking over your shoulder wondering, doubting, fearing, hurting, hoping for some easy way out, struggling, grasping, confusing, itchin, scratching, mumbling, bumbling, grumbling, humbling, stumbling, numbling, rumbling, gambling […] and grinding away at yourself. Stop it and just DO!“

6. Welche Eigenschaften zeichnen dich aus?

Mit meinem Hintergrund bringe ich frische Impulse in die Werbewelt. Das Neue interessiert mich. Komplexe Zusammenhänge verstehe ich schnell. Ich bin begeisterungsfähig und gehe gern auf neue Menschen zu. Es fällt mir leicht Schwerpunkte zu setzen und das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden. Freund*innen und Kolleg*innen bezeichnen mich als kompetent, konsequent, engagiert und einfallsreich.


7. Welche Textformen schreibst du?

Ich möchte das Wichtige in Worte fassen und aufschreiben, was andere mitteilen möchten. 
In der Umsetzung bin ich empathisch und passe meinen Schreibstil an die Bedürfnisse meiner Kund*innen an. Ich schreibe sachliche Produkt- und Webseitentexte, aber auch informative Interviews und philosophische Essays. Ich möchte Information in einer ansprechenden Form liefern und Texte schreiben, die gern gelesen werden. 

8. Was hast du beruflich erreicht, das dich besonders glücklich macht?

Ich bin sehr stolz auf die Gründung meiner eigenen Firma, weil ich damit Mut zur Veränderung bewiesen habe. Ich arbeite selbstbestimmt und freue mich sehr über das ausnahmslos positive Feedback zu meiner Arbeit. Als Theaterautorin war ich 2017 bei den Bozner Autorentagen vertreten und wurde 2016 als österreichische Vertreterin zum Interplay Europe - Festival of Young Playwrights eingeladen. Meine Stücke werden von Hartmann & Stauffacher verlegt.


Mag. phil. Andrea Maria Imler (*1989 in Kufstein/Tirol) studierte an den Universitäten Wien und Innsbruck Theater-, Film- und Medienwissenschaft, sowie Philosophie und Kunstgeschichte. Ihre Diplomarbeit über das Phänomen der Transgression in der Performance Art wurde mit einem Förderstipendium für queer-feministische Nachwuchswissenschaftler*innen ausgezeichnet. Als Regieassistentin sammelte sie Praxiserfahrung in zahlreichen Theaterproduktionen, unter anderem am Burgtheater, dem Schauspielhaus Wien und zuletzt am Schauspiel Köln.

 

In der Spielzeit 2016/17 leitete sie gemeinsam mit Pinar Karabulut, Charlotte Sprenger und Matthias Köhler die Außenspielstätte am Offenbachplatz. Sie initiierte das feministische Festival Britney X und moderierte #poetryismyboyfriend zu dem sie zeitgenössische Autor*innen empfing. Gäste der Lesereihe waren unter anderem Wolfram Lotz, Stefan Hornbach, Michel Decar und Mehdi Moradpour. Parallel zu ihrer Arbeit am Schauspiel Köln begann Andrea Imler zu schreiben. Ihre ersten Stücke werden vom Kölner Verlag Hartmann & Stauffacher verlegt.

 

Ihre Tätigkeit als Regisseurin und Autorin brachte ihr eine Reihe von Einladungen zu internationalen Festivals ein: Im Jahr 2016 reiste sie zum Interplay Europe - Festival of Young Playwrights nach Schweden und inszenierte beim Monodrama Festival Fundamental in Luxemburg. Die Produktion wurde anschließend zum International Theatre Festival of Bejaia in Algerien eingeladen. Im Jahr 2017 erhielt sie ein Arbeitsstipendium des Landes Tirol und wurde 
zu den Bozner Autorentagen nach Südtirol eingeladen. Außerdem inszenierte sie 2017 beim Stückefest des Landestheater Niederösterreich.

 

Durch ihre vielfältigen Erfahrungen ist Andrea Imler heute eine ausgesprochen gut 
vernetzte, vielseitige Künstlerin mit großem Interesse für neue Dramatik.