FÜNF fragen an ANDREA MARIA HÖLBL

DAS WICHTIGE IN WORTE FASSEN

Andrea Maria Hölbl wurde 1989 als Andrea Imler in Tirol geboren und lebt - nach zehn Jahren in Großstädten - wieder in der Festungsstadt Kufstein. Ein Gespräch mit der jungen Selbstständigen über das Schreiben, die Lust am Text und die Liebe zur Kunst. 

Andrea Imler - Werbetexterin und Autorin

1. WIESO HAST DU IM JAHR 2017 EINE EIGENE FIRMA GEGRÜNDET?

Jeder muss seine Haut zu Markte tragen. Ich habe nach einer einfachen Möglichkeit gesucht, mit meinem Talent Geld zu verdienen. Als freie Werbetexterin und Autorin bleibe ich flexibel und kann weiterhin künstlerisch arbeiten. Roland Barthes unterscheidet den Text der Lust, der aus der Kultur kommt, ohne mit ihr zu brechen und den Text der Wollust, der den Leser in seinen kulturellen und psychologischen Grundlagen erschüttert. Ich übe mich in beiden Disziplinen und schreibe sowohl Werbe- als auch Theatertexte.


2. UNTERSCHEIDEN SICH DAS KÜNSTLERISCHE UND DAS JOURNALISTISCHE SCHREIBEN SEHR?

In beiden Formen muss man spezifischen Notwendigkeiten gerecht werden. Natürlich hat man beim literarischen Schreiben mehr sprachliche und formale Freiheit, dafür muss man den Theaterbetrieb mitdenken. Gleichzeitig wird im Bereich Marketing das Story-Telling immer wichtiger. Der Text soll nicht mehr nur Information vermitteln, sondern ein Lebensgefühl.

3. WAS MACHT EINE GUTE GESCHICHTE IN DEINEN AUGEN AUS?

Sie muss authentisch sein und zum jeweiligen Kunden oder Produkt passen. Sie braucht eine klar formulierte Botschaft, eine nachvollziehbare Handlung - im Sinne einer eindeutigen Erzählstruktur - und einen emotionalen Höhepunkt. Das „Geschichten erzählen“ ist etwas, das ich am Theater gelernt habe und als Werbetexterin weiter führen kann.

 

Ich möchte das Wichtige in Worte fassen und aufschreiben, was andere mitteilen möchten. Fakten bringe ich in eine ansprechende Form - so schreibe ich Texte, die gerne gelesen werden.


4. WAS BEEINFLUSST DEIN SCHREIBEN? WAS INSPIRIERT DICH?

Ich bin vielseitig interessiert und gehe mit offenen Augen durch die Welt. Mein Faible für Kunst, Philosophie und Dramatik verschafft mir einen breiten Horizont, der viele Anknüpfungspunkte bietet. Ich bewundere Menschen, die die Welt mit ihrem Sein ein klein wenig besser machen. Die Briefe von Sol LeWitt an Eva Hesse finde ich sehr motivierend: „Just stop thinking, worrying, looking over your shoulder wondering, doubting, fearing, hurting, hoping for some easy way out, struggling, grasping, confusing, itchin, scratching, mumbling, bumbling, grumbling, humbling, stumbling, numbling, rumbling, gambling […] and grinding away at yourself. Stop it and just DO!“

5. WELCHE EIGENSCHAFTEN ZEICHNEN DICH AUS?

Mit meinem Hintergrund bringe ich frische Impulse in die Werbewelt. Das Neue interessiert mich. Komplexe Zusammenhänge verstehe ich schnell. Ich bin begeisterungsfähig und gehe gern auf neue Menschen zu. Es fällt mir leicht Schwerpunkte zu setzen und das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden. Ich bin sehr stolz auf die Gründung meiner eigenen Firma und freue mich über das positive Feedback. Freund*innen und Kolleg*innen bezeichnen mich als kompetent, konsequent, engagiert und einfallsreich.



Mag. phil. Andrea Maria Hölbl (*1989 in Kufstein/Tirol) studierte an den Universitäten Wien und Innsbruck Theater-, Film- und Medienwissenschaft, sowie Philosophie und Kunstgeschichte. Ihre Diplomarbeit über das Phänomen der Transgression in der Performance Art wurde mit einem Förderstipendium für queer-feministische Nachwuchswissenschaftler*innen ausgezeichnet. Als Regieassistentin sammelte sie Praxiserfahrung in zahlreichen Theaterproduktionen, unter anderem am Burgtheater, dem Schauspielhaus Wien und zuletzt am Schauspiel Köln.

 

In der Spielzeit 2016/17 leitete sie gemeinsam mit Pinar Karabulut, Charlotte Sprenger und Matthias Köhler die Außenspielstätte am Offenbachplatz. Sie initiierte das feministische Festival Britney X und moderierte #poetryismyboyfriend zu dem sie zeitgenössische Autor*innen empfing. Gäste der Lesereihe waren unter anderem Wolfram Lotz, Stefan Hornbach, Michel Decar und Mehdi Moradpour. Parallel zu ihrer Arbeit am Schauspiel Köln begann Andrea Maria Hölbl zu schreiben. Ihre Stücke werden vom Kölner Verlag Hartmann & Stauffacher verlegt.

 

Ihre Tätigkeit als Regisseurin und Autorin brachte ihr eine Reihe von Einladungen zu internationalen Festivals ein: Im Jahr 2016 reiste sie zum Interplay Europe - Festival of Young Playwrights nach Schweden und inszenierte beim Monodrama Festival Fundamental in Luxemburg. Die Produktion wurde anschließend zum International Theatre Festival of Bejaia in Algerien eingeladen. Im Jahr 2017 erhielt sie ein Arbeitsstipendium des Landes Tirol und wurde 
zu den Bozner Autorentagen nach Südtirol eingeladen. Außerdem inszenierte sie 2017 beim Stückefest des Landestheater Niederösterreich. 2018 wurde sie mit dem großen DramatikerInnenstipendium des BKA bedacht.

 

Durch ihre vielfältigen Erfahrungen ist Andrea Maria Hölbl heute eine ausgesprochen gut 
vernetzte, vielseitige Künstlerin mit großem Interesse für neue Dramatik.